ZENTRUM FÜR AUGUSTINUS-FORSCHUNG

AN DER JULIUS-MAXIMILIANS-UNIVERSITÄT WÜRZBURG

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Fecisti nos ad te, domine, et inquietum est cor nostrum donec requiescat in te.

Confessiones 1,1

Geschaffen hast du uns auf dich hin, o Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.

Bekenntnisse 1,1

«Text – Subtext – Context. On the Way to a Comprehensive Commentary of the Augustinian Letters»

Auf der XVIIth International Conference on Patristic Studies vom 10.-14. August 2015 in Oxford war mit Prof. Müller und Dr. Grote auch das ZAF vertreten. Zusammen mit sieben weiteren Augustin-Spezialisten aus dem In- und Ausland organisierte das An-Institut der Würzburger Universität einen gut und hochrangig besuchten internationalen Workshop zu dem geplanten Projekt der Kommentierung des gesamten Augustinischen Briefkorpus. Von Dr. Andreas E. J. Grote.

oxfordDie nur alle vier Jahre stattfindende Tagung ist das weltweit größte internationale Treffen der über die Epoche der Alten Kirche (ca. 1.-7. Jh.) und die sogenannten Kirchenväter (lat. ‹patres›) arbeitenden Wissenschaftler, an dem etwa 1000 Forscherinnen und Forscher aus der ganzen Welt in bis zu 15 parallelen Sektionen über ihre Studien berichten. Seit 50 Jahren wird die Konferenz in Oxford von der Association Internationale des Études Patristiques in Zusammenarbeit mit der North American Patristics Society sowie der University of Oxford veranstaltet.

Unter dem Titel «Text – Subtext – Context. On the Way to a Comprehensive Commentary of the Augustinian Letters» bot das seit einigen Jahren bestehende und vom ZAF koordinierte Forschungsteam mehrerer süddeutscher Hochschulen in Oxford einen Workshop zu den Briefen Augustins an. Über zwei Nachmittage hinweg stellte es nicht nur das geplante Projekt ‹Durchgehende interdisziplinäre Kommentierung des augustinischen Briefkorpus› der breiten Wissenschaftsöffentlichkeit vor, sondern suchte auch über die Präsentation der vorgesehenen Methodik sowie erster, ausgewählter Ergebnisse die Diskussion. Das deutsche Team wurde dabei verstärkt durch Forscherinnen und Forscher aus Notre Dame (USA) und Bordeaux (Frankreich).

Prof. Christof Müller vom ZAF führte am 1. Tag in die Thematik ein, zeigte das dringende Desiderat einer umfassenden Kommentierung des augustinischen Briefkorpus auf und stellte die Grundsätze des geplanten Projektes vor. Der Würzburger Latinist Prof. Christian Tornau, der das vorgesehene Kommentierungsmuster erarbeitet hatte, präsentierte dieses nicht nur theoretisch, sondern exemplifizierte es sogleich an ausgewählten Stellen der Korrespondenz Augustins mit dem Heiden Longinianus (ep. 233-235). Über den ausführlichen Briefwechsel zwischen Augustinus und seinem Freund Nebridius aus der Zeit 386-388 zum Thema eines gemeinsam der Philosophie gewidmeten Lebens referierte die Erlanger Professorin für Ältere Kirchengeschichte Charlotte Köckert (ep. 3-14). Von der University of Notre Dame in den USA zeigte die Latinistin Prof. Hildegund Müller, wie intensiv Augustinus das Medium ‹Brief› für die Ankündigung, Verbreitung und Erläuterung seiner eigenen Schriften und der dort vertretenen Positionen nutzte.

Am 2. Tag widmete sich zunächst der Philosoph Prof. Emmanuel Bermon von der Universität Bordeaux zwei ausgewählten Briefen der Nebridius-Korrespondenz (ep. 8-9), in denen die Briefpartner über das Verhältnis von Träumen, Dämonen und der menschlichen Seele vor dem Hintergrund spätantiker philosophischer Theorien diskutieren. Christopher Nunn aus Heidelberg referierte anschließend über Chancen und Risiken der ‹digital humanities› am Beispiel des statistischen ‹Distant Reading›-Verfahrens für die Interpretation der augustinischen Korrespondenz mit Frauen. Den nur in einer Handschrift überlieferten Brief 184A Augustins sowie dessen anti-pelagianische wie anti-pagane Argumentationsstrategien kommentierte der Tübinger Patristiker Prof. Volker Henning Drecoll mittels des von der Forschergruppe vorgesehenen Schemas. Schließlich zeigte der Kirchengeschichtler Prof. Winrich Löhr aus Heidelberg, wie Augustinus und Pelagius in der ‹heißen Phase› ihres Streites gerade auch verschiedene Formen von Briefen nutzten, um ihre jeweiligen Ziele durchzusetzen.

An beiden Nachmittagen war der ‹Epistulae-Workshop› – trotz der ‹Konkurrenz› durch etliche andere Veranstaltungen und insbesondere auch zwei weitere Workshops zu Augustinus – gut besucht. Insbesondere nahmen sowohl etliche weltweit renommierte Augustinus-Spezialisten als auch mehrere der Oxforder Konferenz-Direktoren, einschließlich der Vorsitzenden Prof. Gillian Clark, an den intensiven und anregenden Diskussionen teil. Besonders erfreulich für die Initiatoren des Kommentarprojektes war dabei außerdem, dass dieses nicht nur als in der Tat für die Augustinus-Forschung dringend erforderlich angesehen, sondern dass auch die vorgesehene Methodik vom Publikum als dem Textkorpus angemessen und als sehr erkenntnisbringend beurteilt wurde.

ANDREAS E.J. GROTE

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