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Dankesrede des neuen Ehrenbürgers

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Küller,
geehrte Mitglieder des Gemeinderates von Pilisborosjenö,
liebe Gäste, Verwandte, Freundinnen und Freunde, meine Damen und Herren!

Der neue Ehrenbürger von Pilisborosjenö/Weindorf Cornelius Mayer erhält von Bürgermeister Janosz Küller die Urkunde.
Der neue Ehrenbürger von Pilisborosjenö/Weindorf Cornelius Mayer nimmt von Bürgermeister Janosz Küller (r.) die Ernennungsurkunde entgegen.
Die einstimmige Verleihung der Ehrenbürgerschaft meiner Heimatgemeinde Pilisborosjenö sowie die Überreichung deren Urkunde am Tag des Staatsgründers, des hl. Stephan, betrachte ich im Hinblick auf die in Deutschland zu meinem 80. Geburtstag bereits stattgefundenen Feiern als den sprichwörtlichen Punkt auf dem i. Die Verleihung dieser Ehrenbürgerschaft bringt nämlich, wenn ich so sagen darf, die mir zuteil gewordenen Ehrungen zu ihrem krönenden Abschluss.

Wenngleich ich, ein 1946 vertriebener Donauschwabe, mir erst in der neuen Heimat jenes Wissen aneignete, um dessentwillen ich in Fachkreisen weltweit bekannt wurde, so blieb ich doch meiner alten Heimat stets eingedenk. Die in vollendeter Poesie verfassten Verse des Dichters Kisfludy Károly geben exakt die Gemütsverfassung wieder, die mich in Bezug auf meine Heimat erfüllte und immer noch erfüllt:

Kisded hajlék, hol születtem,
Hej tőled be távol estem!
Távol estem mint a levél,
Melyet elkap a forgószél.

Es war deshalb nur verständlich, dass wir Vertriebene, sobald die politischen Verhältnisse dies ermöglichten, beinahe Jahr für Jahr die alte Heimat besuchten. Kennzeichnenderweise sagten wir nicht: wir fahren nach Ungarn wie etwa nach Italien oder nach Spanien – nein: wir fahren nach Hause, sagten wir. Als ich dann 1964 mich zum ersten Mal zu solcher Fahrt rüstete, dachte ich bewegt an die Erfüllung der von Kisfaludy beschriebenen Sehnsucht:

Szülőföldem szép határa!
Meglátlak e valahára?
A hol állok, a hol megyek,
Mindenkor csak feléd nézek.

Ein deutsches Sprichwort lautet: «Wovon das Herz voll ist, fließt der Mund über». Sie können sich vorstellen, dass mein Herz voll ist. Viel hätte ich zu sagen. Ich wurde jedoch gebeten, meine Dankesworte auf fünf Minuten zu beschränken. So kann ich nur erwähnen, wovon ich ausführlicher reden wollte.

Reden wollte ich zunächst von den Ereignissen im Herbst 1956, als das tapfere Ungarn sich gegen die Tyrannei erhob, sodann von der Öffnung des Eisernen Vorhangs im Sommer 1989 – einem Vorgang, der Europa veränderte und uns Deutschen die Wiedervereinigung ermöglichte. Wie stolz waren wir als ehemalige Bürger Ungarns auf dieses Land – stolz auch auf die hier verbliebenen Landsleute! Nach wie vor bin ich nämlich der Überzeugung, dass die engen Beziehungen und Bindungen zwischen den vertriebenen und den in Ungarn verbliebenen Donauschwaben das Ihre zur Erosion des hierzulande herrschenden politischen Systems beitrugen.

Das Schicksal der Donauschwaben hier, die Bewahrung ihrer doppelten, ihrer ungarnstaatlichen wie auch ihrer deutschstämmigen Identität ist uns, den in der Bundesrepublik lebenden Donauschwaben, ein Anliegen. Dafür haben wir uns ideell wie materiell stets eingesetzt, dafür wollen wir uns auf kommunalpolitischer Ebene weiterhin einsetzen. Indem wir dies tun, stützen und stärken wir Ungarn. Vielleicht ergibt sich ein anderes Mal die Gelegenheit – so Gott will –, darüber ausführlicher zu sprechen.

Wie Sie wissen, gehören zwei Kommunalpolitiker zu unserer Reisegruppe: der Bürgermeister von Würzburg Dr. Dr. Adolf Bauer, der auch als Finanzdirektor der Diözese Würzburg der Kirchengemeinde von Pilisborosjenö schon manches zukommen ließ, sodann Frau Eva Maria Linsenbreder, Bürgermeisterin von Kleinrinderfeld bei Würzburg, die das Vorhaben, eine Partnerschaft zwischen ihrer Gemeinde mit Pilisborosjenö gründen zu wollen wohlwollend zur Kenntnis nahm, und dies auch engagiert fördert.

Ich bedanke mich also für die mir verliehene Ehrenbürgerschaft beim Herrn Bürgermeister Küller János und bei seinem Gemeinderat aufs Herzlichste, freilich ebenso bei all denen, die initiativ dazu beitrugen.

Ich wünsche der Gemeinde, deren Ehrenbürger ich nun geworden bin, weiterhin eine gedeihliche Zukunft.