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ZWEITER SONNTAG IN DER OSTERZEIT A

MUTTERHAUS DER RITASCHWESTERN 3. 4. 2005

Cornelius Petrus Mayer OSA

Vorspann

Im Neuen Testament gibt es Texte, die nicht nur ihrem Inhalt, sondern auch ihrer sprachlichen Darstellung nach faszinieren. Einen solchen bietet uns die Liturgie heute in der zweiten Lesung aus dem ersten Petrusbrief.

Ich habe Ihnen den Text aus dem Schott-Messbuch abschreiben lassen, und zwar strukturiert. Die Leitbegriffe sind in roter Farbe hervorgehoben, damit Sie auch visuell erfassen, worauf es ankommt.

Das beherrschende Thema unserer heutigen Liturgie ist der Glaube. «Barmherziger Gott, durch die jährliche Osterfeier erneuerst du den Glauben deines Volkes», so bringt das Tagesgebet die Texte insgesamt gleichsam auf einen gemeinsamen Nenner. – Alle, die gläubig wurden, so die erste Lesung, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. – Um das Wagnis des Glaubens geht es im Bericht über den zweifelnden Thomas im Evangelium. – Und in der zweiten Lesung kommen die Wörter Glaube und Glauben sogar 5mal vor.

Predigt

«Weil du mich gesehen hast», sagt Jesus im Evangelium zu Thomas, «glaubst du», er fügt aber vielsagend hinzu: «Selig sind, die nicht sehen und doch glauben».

Wer erkennt darin nicht die Brücke zum Vers 8 unserer Lesung? «Ihn habt ihr nicht gesehen, ... ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt an ihn und jubelt ... ».

Was ist das, der Glaube? «Glaube ... ist – so der Hebräerbrief des Neuen Testamentes – : «Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht» (11,1). Glaube ist also: Feststehen und Überzeugtsein!

Wenden wir uns nun dem Text der Lesung zu: Fachleute sagen, der erste Petrusbrief sei ein Schreiben an die verfolgte Kirche in Kleinasien um die Wende vom ersten ins zweite Jahrhundert. Der Brief sollte die Christen – sie werden im Briefinnern ein ‹heiliges Volk› und ‹ein königliches Priestertum› genannt – stärken, damit sie in der Kraft des Glaubens den Bedrängnissen der Welt standhalten.

Der Gedankengang des Briefes hat drei Schritte: Im ersten, in den Versen 3-5, geht es darum, was Gott an uns in der Taufe getan hat; im zweiten, in den Versen 6-7, um das, was Gott gegenwärtig an uns tut; und im dritten, den Versen 8-9, geht es um den ‹Jubel› und die ‹Freude› jetzt schon, weil Christen ‹das Ziel ihres Glaubens› kennen.

Blicken wir auf den Text: Was hat Gott getan? ‹Er hat uns neu geboren› durch die Taufe. Die Taufe durch das große Sakrament der Einverleibung, das die junge Kirche vorzüglich in der Osternacht, bei der Feier ‹der Auferstehung Jesus Christi von den Toten›, spendete.

Darin gründet die ‹lebendige Hoffnung› der Christen. ‹Hoffnung› worauf? Auf das ‹Erbe›. Der Verfasser kann sich nicht genug tun, dieses Erbe in hymnischer Sprache zu schildern. Er nennt es, um es von allen irdischen Erbschaften klar abzuheben: ‹unzerstörbar, makellos und unvergänglich, ‹im Himmel aufbewahrt› für uns.

Nun steht da im Vers 5 ein Satz, über den wir nicht hinweglesen sollten: ‹Gottes Macht behütet euch›. Lebten jene Christen in Kleinasien nicht in der ständigen Bedrängnis der Verfolgung?, mag der eine oder der andere fragen. Wie kann es da heißen: ‹Gottes Macht behüte› sie? Er behütet sie ‹durch den Glauben›.

Wie ist das zu verstehen? Eine plausible Antwort darauf gibt uns der Apostel Paulus in seinem Römerbrief. Dort lesen wir: «Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben; wie sollte er mit ihm uns nicht alles schenken?» (Röm 8,31f.) Das also ist in Vers 5 gemeint. Denn ‹behütet werden› wir ‹durch den Glauben› deshalb, ‹damit› wir ‹das Heil›, diesen Inbegriff des ‹alles› erlangen, das am Ende der Zeit offenbart werden soll›.

Zum zweiten Schritt: Was tut Gott an uns jetzt? Er prüft unseren Glauben in Mitten der Leiden dieser Zeit. Der Brief spricht im Hinblick auf die Ewigkeit des ‹Heils› von einer ‹kurzen Zeit› der Prüfungen. In dieser doppelten Perspektive, der ‹Zeit des Leidens› jetzt und der ‹Ewigkeit des Heils› am Ende der Zeiten, empfängt der Glaube seinen alles Irdische in den Schatten stellenden Glanz. Deshalb heißt es, der Glaube ist ‹wertvoller als im Feuer geprüftes, also geläutertes Gold›. Ihm, unserem Glauben, ‹wird Lob, Herrlichkeit und Ehre zuteil bei der Offenbarung Jesu Christi›.

Zum dritten Schritt: In den beiden letzten Versen erreicht der Text auch sprachlich seinen Höhepunkt. Der Glaube, wenn er lebendig ist, versetzt Christen in einen unbeschreibbaren Jubel und lässt sie die Nöte des irdischen Daseins vergessen. Wieder kann der Verfasser sich nicht genug tun, diesen Jubel ekstatisch als eine ‹unsagbare von himmlischer Herrlichkeit verklärte Freude› zu beschreiben.

Beschäftigt man sich intensiv mit dem Text unserer Lesung, dann fällt einem auf, dass darin kaum argumentiert wird. Es geht darin auch nicht um Mahnungen zu einem sittlichen Leben, wodurch wir uns das Heil erst verdienen sollten. Von all dem ist da keine Rede, wohl aber vom Lobpreis, vom Jubel und von der Freude. Unser Text verbreitet ganz einfach Stimmung, österliche Stimmung.

Gewiss hat diese Stimmung der Freude in der Auferstehung Christi ihren Grund, aber nicht allein darin. Die Frage, warum strahlt Ostern Freude aus, beantworten Christen zwar zu Recht, weil der Gekreuzigte verherrlicht wurde. Eine solche Antwort verkürzt jedoch die Freude über Ostern, denn sie verschweigt gerade das, worauf es in unserer Lesung ankommt: unsere eigene Auferstehung!

Die Auferstehung Jesu allein nützte uns wenig, wenn wir nicht ‹neu geboren› worden wären. Wie ist das zu verstehen?

Ich darf noch einmal aus dem Römerbrief zitierten: «Wisst ihr denn nicht», sagt der Apostel im Kapitel 6 dieser für die Verkündigung des christlichen Glaubens so wichtigen Schrift, «dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft sind, auf seinen Tod getauft sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit so, wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, auch wir in dieser neuen Wirklichkeit leben».

Das also ist ‹das Erbe›, das uns zugesichert ist, deshalb können wir die österliche Zeit gar nicht anders verbringen als ‹im Jubel›.

Nicht Zweifel, nicht Kleinmut, nicht Resignation, nicht Angst bestimmen christliches Dasein, sondern Zuversicht – Zuversicht aus dem Glauben. Der hl. Augustinus nennt uns Christen zwar kühn, aber doch neutestamentlich zutreffend ‹den fortlebenden Christus›, weil der Apostel Paulus von der Kirche nicht anders redet als von Christi Leib. «Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder einzelne ist ein Glied an ihm» (1 Kor 12,27). «Also meine Lieben», sagt im Hinblick darauf unser Ordensvater in einer Predigt: «Lasst uns gegenseitig beglückwünschen, lasst und Dank sagen, weil wir nicht nur Christen, sondern Christus geworden sind. ... Staunt darüber und freut euch: Christus sind wir geworden! Ist nämlich jener das Haupt, so sind wir die Glieder. Der ganze Mensch ist jener und wir» (Predigt über das Johannesevangelium, 21,8).

Damit hat der Kirchenvater, wenn ich so sagen darf, das Thema unserer Lesung auf den Punkt gebracht. Amen.