BuchbesprechungJosef Pilvousek/Josef Römelt (Hrsg.), Die Bibliothek des Amplonius Rating de Berka und ihre verborgenen Schätze. Anmerkungen zur Wiederentdeckung „Erfurter“ Augustinus-Predigten (Erfurter theologische Studien 39), Würzburg: Echter, 2010. 110 Seiten. ISBN 978-3-429-03249-4
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Im Jahr 2008 konnte in Erfurt die Entdeckung einiger bis dahin unbekannter Predigten des heiligen Augustinus bekannt gegeben werden. Fundort war ein Band aus der Stiftungsbibliothek des mittelalterlichen Gelehrten Amplonius Rating de Berka, die sich heute in Verwahrung der Universität Erfurt befindet. Ein kleiner, im Echter-Verlag erschienener Band informiert über Bedeutung und Hintergründe dieses unerwarteten Fundes. Er ist eine Gemeinschaftsarbeit von Mitgliedern der Kirchenväterkommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, denen der Neufund in erster Linie zu verdanken ist, Gelehrten der Universität Erfurt sowie anderen an Augustinus Interessierten.Brigitte Pfeil informiert in ihrem Beitrag „Theologische Handschriften in der Amploniana. Der Stifter und seine Büchersammlung“ kundig und knapp über die Biographie des Stifters und den Bestand an theologischen Schriften in der Stiftungsbibliothek. Amplonius, zwischen 1362 und 1365 in Duisburg geboren, absolvierte eine glänzende Karriere und erreichte das Amt des erzbischöflichen Leibarztes in Köln. 1412 stiftete er dem „Collegium Porta Coeli“ in Erfurt, wo er in den 1390er Jahren zweiter Rektor der Universität gewesen war, seine Bibliothek. Auffällig an ihrem theologischen Bestand ist, dass Amplonius an den Theologen seiner eigenen Zeit wenig Interesse hatte. Die „Augustinustexte in der Amploniana“ stellt Thomas Bouillon vor. Heute liegen noch 33 Bände mit Augustinus-Texten in der Bibliothek vor. Zu ihnen gehört auch Dep. Erf. CA. 12° 11, worin man den unbekannten Schatz finden sollte. Josef Pilvousek geht in seinem Beitrag „Theologe im Nebenfach? Motivsuche im Studienprozess der Kollegiaten“ der Frage nach, ob Amplonius sich beim Aufbau seiner Bibliothek von erkennbaren philosophisch-theologischen Überzeugungen leiten ließ. Es scheint jedoch, dass der mittelalterliche Gelehrte abseits persönlicher Vorlieben bemüht war, seine Sammlung nach allen Richtungen hin zu komplementieren. Das Herzstück des Bändchens ist der gemeinsame Aufsatz über „Die neuen Erfurter Augustinuspredigten“ von Isabelle Schiller, Dorothea Weber und Clemens Weidmann, allesamt Mitarbeiter der Kirchenväterkommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Die Kirchenväterkommission unterhält seit den 1960er Jahren ein Projekt mit dem Namen „Die handschriftliche Überlieferung der Werke des Heiligen Augustinus“, das die vielen vorhandenen mittelalterlichen Augustinus-Codices systematisch erschließen und gegebenenfalls noch unentdeckte Texte aufspüren soll. Anschaulich stellen die Autoren dar, wie ihre Forschungsarbeit vonstattengeht und welche Probleme sich dabei stellen. In Erfurt wurden sie fündig. Sechs bis dahin unbekannte Predigten Augustins fanden sich im Codex Dep. Erf. CA. 12° 11, neben schon Bekanntem und deutlich Unechtem. Die Echtheit der Funde ist in drei Fällen rein durch innere Kriterien gesichert (Sprache, Stil), bei den drei anderen Predigten kommt hinzu, dass ihre Titel im Verzeichnis der augustinischen Werke, das Possidius seiner Augustinus-Vita beigefügt hatte, aufgeführt sind. In toto abgedruckt, mit Übersetzung und einigen Erläuterungen, ist eine der neu entdeckten Predigten: de resurrectione mortuorum (über die Auferstehung der Toten). Stil und Argumentation belegen überdeutlich die Autorschaft Augustins. Kai Brodersen stellt skizzenhaft einige „Neufunde lateinischer Literatur aus der vorchristlichen Literatur“ vor. Er kommt zu dem Schluss, dass sie zwar unsere Textkenntnis der antiken Literatur bereichert haben, zu einem besseren Verständnis der antiken Geistesgeschichte aber nicht beitrugen. Was der Aufsatz mit der Wiederentdeckung der Augustinus-Predigten zu tun hat, erschließt sich nicht. Jörg Rüpke („Augustinus: Römer und Afrikaner, Philosoph und Bischof“) stellt den geistigen Werdegang des heiligen Bischofs bis zu seiner Bekehrung durch das tolle-lege-Erlebnis vor. Warum die Schilderung hier abbricht, bleibt rätselhaft. Johannes Hofmann („Bischof Augustinus von Hippo Regius. Einblicke in Leben und Werk eines Lehrers des Abendlands“) skizziert übermäßig ausführlich den allgemein bekannten Lebenslauf des großen Kirchenvaters. Bei den letzten drei Beiträgen stellt sich die Frage, ob sie helfen sollten, das Bändchen nicht allzu schmal ausfallen zu lassen. Insgesamt handelt es bei dem vorliegenden Band um ein würdiges Denkmal für einen sehr erfreulichen Fund, das helfen wird, die Erinnerung an jenen glücklichen Moment in der Geschichte der Augustinus-Forschung zu bewahren. Clemens Schlip » Verlagshomepage mit Online-Bestellmöglichkeit
» Eintrag in der Datenbank der Augustinus-Sekundärliteratur Veröffentlicht: 09.11.2011
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