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Buchbesprechung

Constance Dittrich/Norbert Fischer/Erich Naab (Hgg.), Augustinus. Ein Lehrer des Abendlandes, Wiesbaden: Harrassowitz, 2009. VIII-136 Seiten. ISBN: 978-3-447-05923-7

C. Dittrich / N. Fischer / E. Naab (Hg.), Augustinus - ein Lehrer des Abendlandes
Wenige haben die Geistesgeschichte so stark beeinflusst wie der heilige Augustinus, Bischof von Hippo und universaler Kirchenlehrer. Der hier anzuzeigende Band aus dem Hause Harrassowitz gewährt die Möglichkeit, sich exemplarisch mit einigen ausgewählten Aspekten der Augustinus-Rezeption auseinanderzusetzen. Der Essay-Katalogband entstand aus einer Ausstellung heraus, die 2009 in der Eichstätter Universitätsbibliothek stattfand, behält jedoch auch über diesen Anlass hinaus seinen Wert.

Der erste Kurzessay, von Karla Pollmann, beschäftigt sich mit der „Augustinus-Rezeption im 5. und 6. Jahrhundert“, also der ersten Phase seiner Wirkungsgeschichte: Von seinem Schüler und Biographen Possidius bis zu Cassiodor und Papst Gregor dem Großen. Als roter Faden dient dabei die Nachwirkung, die Augustinus’ Schrift De Genesi ad litteram libri duodecim auf die nachgeborenen Autoren hatte. Pollmann plädiert dafür, sich bei den eigenen Studien immer der historisch vorausgegangenen Rezeption des augustinischen Œuvre bewusst zu sein, ohne dabei die eigene Reflexion über die Texte zu vernachlässigen. Eine Forderung, der zuzustimmen ist.

Am wichtigsten in dem Band erscheint der Beitrag von Norbert Fischer über Augustins „Werk als Schatz, als Bürde und als Herausforderung des Denkens“. Diese drei Schlagworte werden am Beispiel der Gnadenlehre des Augustinus eindrücklich und überzeugend exemplifiziert.

Über die Arbeit des Zentrums für Augustinus-Forschung in Würzburg informiert dessen Leiter Cornelius Mayer; in knapper Form erfährt der Leser von den verschiedenen Projekten des Forschungszentrums (etwa das „Augustinus-Lexikon“) sowie über die von ihm ausgehenden Initiativen.

Klaus Walter Littger und Erich Naab behandeln das Thema „Augustinus in Eichstätter Bibliotheken“ und geben eine Auflistung der dort nachweisbaren Werke des Kirchenvaters; ein Thema von freilich eher lokalem Interesse.

Oliver Motz hatte die Aufgabe, eine Photographie des berühmten Augustinus-Portraits im Lateran zu Rom digital so zu bearbeiten, dass es dem Katalogband als Titelbild dienen konnte. Seine kurzen Erläuterungen, wie er dies zustande brachte, zeigen eindrücklich, dass auch die modernste Technik dem geistigen Erbe des alten Europa dienstbar gemacht werden kann.

An die Essays schließt sich der Katalogteil des Bandes an, der ausgewählte Dokumente der Augustinus-Rezeption in durchgängig farbigen Aufnahmen zur Anschauung bringt. Der „Stargast“ sind wohl die Sermones Dolbeau, jene vor nicht langer Zeit in der Mainzer Stadtbibliothek wiederentdeckten Predigten, die unser Augustinus-Bild um wertvolle Details bereichert haben. Die Wirkungsgeschichte des Kirchenlehrers wird greifbar in Handschriften aus dem Besitz des Nikolaus von Kues (von diesem eigenhändig abgeschrieben!), in zwei Fragmentautographen des Blaise Pascal, in Briefautographen von Gottfried Wilhelm Leibniz und Rainer Maria Rilke sowie in Vorlesungsmanuskripten von Maurice Blondel und Martin Heidegger. Die den photographischen Aufnahmen vorgeschalteten, hochinformativen erklärenden Texte zu den abgebildeten Exponaten stammen von Constance Dittrich.

Der Band empfiehlt sich dadurch, dass er aus einer unübersehbar großen Materie – der Rezeptionsgeschichte Augustins – aussagekräftige Teilstücke herausschneidet und anschaulich in Wort und Bild umsetzt.

Clemens Schlip

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Veröffentlicht: 25.01.2012